Der Nubbel büßt für alle Sünden während der Session

In Köln ist dieser Brauch seit dem Jahr 2013 bekannt - die Könige haben ihn in Sieglar belebt und verbrannt

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Karnevalsdienstag, 7. März: Abwends gegen 21 Uhr bewegt sich eine merkwürdige Prozession zum Marktplatz: Allen voran Zermonienmeister Rolf, bewaffnet mit einer Klobürste, mit düster verschleierter Assistentin Britta, gefolgt von Roland. Er hat eien Strohpuppe auf dem Arm – den Nubbel. Er tritt seinen letzten Gang an. Auf ihn wartet das Feuer.



Zunächst setzt Henker Roland ihn in Positur. Dann gibt es einen Schluck Brandbeschleuniger aus dem Kanister. Derweil verliest Zeremonienmeister Rolf die Klageschrift. Der Nubbel ist gleichsam verantwortlich für Fußschmerzen der Zugteilnehmer, für Kopfschmerzen nach jeckem Alkohologenuss und für alle denkbaren Beschwerden, die im Karneval und bei sonstigen Anlässen auftreten können.



"Brennen soll der Nubbel", skandieren die Anwesenden. Master of Desaster Rolf segnet sie per Klohbürste mit Weihwasser aus einem Sektkübel. Und nachdem sie auf diese Weise gereinigt sind, gibt er den Feuerbefehl, den Roland sogleich ausführt. Zum fünften Mal ereigenete sich in dieser Nacht die Nubbelverbrennung auf dem Sieglarer Markt.



Innerhalb Kölns ist die Nubbelverbrennung zunächst aus 1913 bekannt, weiß die Webseite www.koelner-karnval.info. Zitat: "Mit dem Nubbel gehen auch alle Sünden der närrischen Zeit in Flammen auf. Ursprünglich habe die Strohpuppe nicht „Nubbel“, sondern Zacheies geheißen. Zacheies ist die kölsche Form des hebräischen Namens Zachäus oder Zakchäus, was „der Reine“ bedeutet ...



Diese Figur, die ... man seit ca. 1950 den „Nubbel“ nennt, war das Symbol und die Verkörperung der Kirmes. ... Eine solch ausstaffierte Kirmespuppe prangte auf dem Kirmesplatz (auf einer Stange) oder an den Wirtshäusern, in denen der Kirmesball stattfand. Sie wurde zu Beginn der Kirmes feierlich hervorgeholt und am Ende der Kirmes verbrannt bzw. vergraben. In diesem Brauch klingt noch der uralte mystische Volksglaube mit, dass durch die Verbrennung = Bestrafung einer Opfer- oder Sühnegestalt (= Sündenbock) alle Sünden der Gemeinschaft einem Einzelnen aufgebürdet werden, um die Gemeinschaft zu entlasten. Nicht wir sind schuld, sondern der „Nubbel“, der Niemand, der Irgendwer."



Das Leben im Pompe Jupp geht weiter. Der Wirt trägt es in der dritten Generation mit Würde.

Fotos: Carsten Seim

Mehr Bildchen dieser denkwürdigen Zeremonie findet Ihr hier. He klicke.