Tommy Engel & Band in der Küz: Niemals geht man so ganz!

Du bes Kölle, du bes super tolerant, nemms jeden an de Hand - es gibt sie, diese besonderen Momente

Aktuell

Könige Sieglar: Tommy Engel & Band in der Küz. Foto: Carsten Seim für die Könige vom Pompe Jupp
Tommy Engel bei seinem Auftritt in der Küz – Foto: Carsten Seim für die Könige vom Pompe Jupp e. V.

Es gibt sie, diese besonderen Momente, in denen man weiß oder in jedem Fall hofft, dass man sich wiedersieht. Einen davon erlebten die Zuschauer am Samstagabend, 28. April, in der Sieglarer Küz. Standing Ovations aus dem Publikum – und von der Bühne aus auch für die Zuschauer: Tommy Engel & Band hatten sich auf Einladung der 1. Großen Karnevalsgesellschaft Sieglar mehr als zwei Stunden durch Jahrzehnte Repertoire gespielt.

Ist Tommy Engel nun ein Sänger, ein Frontmann, ein Schauspieler oder ein Geschichtenerzähler? Er ist alles zusammen, und irgendwie hat er auch noch eine großartige parodistisch-clowneske Seite. Inkarnation katholisch-kölschen Humors. "Nicht wahr Monsignore?" – Frotzeln mit Monsignore Franz Bollenbach, der vor kurzem sein 50. Priesterjubiläum gefeiert hatte und zum Konzert gekommen war. Im historischen Saal der Küz fühlt Engel sich an eine Kirche erinnert und referiert über das katholische Kölsch. Aber immer mit dem gebotenen Respekt. So wie es in seinem Lied Du bes Kölle heißt: 

Du bes Kölle. Du bes super tolerant.
Nemms jeden op de Ärm un an de Hand.

Man macht Witze über sich und andere, und reicht sich dann die Hände. Das ist rheinisches Miteinander. 

Wir können davon ausgehen, dass es auch nach uns noch Rheinländer geben wird, die seine Lieder singen werden. Tommy Engel ist Ostermanns Jünger. Generationen übergreifend.

Geschichtenerzähler Tommy Engel entführt seine Zuhörer in die Zeit, als er – noch Kind – mit seinem Vater Richard und den Vier Botze auf der Bühne stand. Auch mit einem kölschen Beatles-Cover von „Here comes the sun“ weckt er bei vielen im Saal, die diese Zeit selbst mit erlebt haben, Erinnerungen.  Und ist dabei authentisch – er mag als Mitglied der Kölner Beat Stones dieses Lied auch schon interpretiert haben, als die Fab Four noch existierten.

Tommy Engels als Parodist: „Ein Tässchen Dornkaat“, die Opernarie „Nessun Dorma“ im Stil des britischen "Superstars" Paul Potts mit Pavarotti-Schal, oder ein Auftritt im Bademantel  als Saunaboy.

Un all die Mädche singe: 
Saunaboy - öm su e klei Schampanjer Fläschje
Do jit et doch normal kei Spreche
Do darf d'r doch et Hätz nit breche

Nichts ist vor Engels´ kölscher Clownerie sicher. Er nimmt  aber auch sich selbst auf die Schippe, wenn er im Reggae-Stil mit afrikanischen Zulu-Tanzeinlagen die Kölsch-Hymne Drink doch ene met neu interpretiert.

Dönn Wängdünne Wände, die Wohnsilos in den Vorstädten rund um Köln, Meiers Kättche“, die bittersüße Geschichte einer Jugendliebe, die dann doch lieber zu jemandem ins Auto steigt, statt auf Tommys Moped.

Doch nevvenahn d`r Webers Mattes,
dä wor schon Jesell, hatt mieh Jeld als ich
un et Kättche fuhr mem Mattes em Auto
un let mich janz einfach em Stich.

Es sind diese einfachen emotionalen Geschichten, die jeder irgendwann in seinem Leben so oder vielleicht auch so ähnlich schon erlebt hat. Sie wecken Assoziationen an selbst Erlebtes in der warmen Geborgenheit des Erinnerns.

Ja, Tommy Engel erzählt viele dieser Geschichten schon seit Jahrzehnten immer wieder auf den vielen Bühnen, auf denen er gestanden hat. Und doch gibt er dem Zuschauer den Eindruck, an diesem einen Abend, an dem er Engel live erleben darf, eine ganz besondere Vorstellung zu bekommen. Tommy Engel ist als Frontmann ein Menschenfänger. Den Autor und – ich glaube, dass ich hier nicht übertreibe, auch alle anderen im Saal – hat er an diesem Abend gefangengenommen.

Es ist die Liebe zu seinen Liedern, die er mit Hingabe interpretiert, die Zuneigung, die man im Zusammenspiel der Musiker auf der Bühne erkennt, die Begeisterung in den Gesichtern der Bühnen-Akteure, wenn das Publikum zum Beispiel bei Meiers Kättche oder Tommy Engels´ Hymne Du bes Kölle mitsingt. Tommy Engel & Bands sind Profis – die aber ihre Gefühle nicht verloren haben.

Niemals geht man so ganz ... im Sieglarer Traditionsgasthaus Beim Pompe Jupp sang man danach noch Stunden weiter – Tommy Engel eben.

Du bes Kölle. Sieglar ist an diesem Abend Köln gewesen. Allen aktuellen Leiden des 1. FC zum Trotz!

Die Band hat es verdient, hier noch einmal ausdrücklich erwähnt zu werden – allen voran Pianist und Songschreiber Jürgen Fritz. In einer kurzen Solopassage ließ er seine Virtuosität aufblitzen. Wer die Autorenverweise im Reportoire der jüngsten CD nachliest, weiß, wie nahe sich Fritz und Engel sind. Freunde für ein Bühnenleben.

Wie gesagt: Niemals geht man so ganz ... ! So – und diese Sieglar-Hymne ist nicht von Tommy Engel – soll es sein, so soll es bleiben!

Update vom 1. Mai 2012: Möglicherweise gibt es auf Veranlassung der 1. Großen KG Sieglar ein Wiedersehen mit Tommy Engel in Sieglar ...

Bericht und Fotos: Carsten Seim für die Könige vom Pompe Jupp.